Raumintelligenzforschung

Die Erforschung der Raumintelligenz (oftmals synonym mit den Begriffen Raumvorstellung, Raumvorstellungsvermögen oder Raumdenken verwendet) kann historisch betrachtet und drei Phasen eingeteilt werden (Maresch, 2013, 2014):

1. Die präfaktorielle Phase der Raumintelligenzforschung (1904-1950): Vor knapp mehr als 100 Jahren wurde der Begriff des Raumvorstellungsvermögens als eine der grundlegenden Teile menschlicher Intelligenz erkannt und in entsprechenden Intelligenzmodellen ausgewiesen (unter anderem von Spearman, 1904; El Koussy, 1935; Thurstone, 1938). Das Raumvorstellungsvermögen wurde in dieser Phase in zahlreichen Strukturmodellen der Intelligenz als eigenständige und maßgebliche Säule erkannt. Wie z.B. als eine der sieben primären Fähigkeiten des Menschen im Buch Primary Mental Abilities von Luis Leon Thurstone (1938; numerisch-mathematisches Denken, Sprachverständnis, Raumvorstellung, Gedächtnisleistung, schlussfolgerndes/logisches Denken, Wortflüssigkeit, und Auffassungsgeschwindigkeit).

2. Die faktorielle Phase der Raumintelligenzforschung (1950-1994):
In der zweiten Phase der Raumintelligenzforschung wurde die Intelligenzfacette Raumvorstellungsvermögen eingehender erforscht, wobei das Identifizieren der konstituierenden Komponenten (-zumeist als Faktoren bezeichnet-) der Raumintelligenz und damit verbunden das Etablieren von strukturierten Modellen des Raumvorstellungsvermögens das Ziel zahlreicher Untersuchungen war (Cattell, 1963; El Koussy, 1935; Gardner, 1991; Guilford, 1967; Maier, 1994; Thurstone, 1950; Vernon, 1961).

3. Die postfaktorielle Phase der Raumintelligenzforschung (seit 1994):
Diese Phase ist gekennzeichnet von der Erkenntnis, dass es aufgrund der inneren Struktur der Faktoren des Raumvorstellungsvermögens nicht möglich sein wird, ein allgemeingültiges Modell der Faktoren des Raumvorstellungsvemögens zu entwickeln, welches den Anforderungen wie Trennschärfe oder Klarheit der Definition genügen wird. Daher wendet sich die Wissenschaft seit der Jahrtausendwende anderen Zugängen zur Erforschung des Raumvorstellungsvermögens zu, wie etwa den Stratgien zur Bearbeitung und Lösung von geometrischen Aufgaben oder dem Zusammenhang mit dem Arbeitsgedächtnis.